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Portrait von Ava Vegas
Portrait von Ava Vegas

Ava Vegas

Foto
Saga Sigurðardóttir
Text
Hendrik Otremba

Ava Vegas‘ Musik klingt wie die Cabrio-Fahrt durch ein Filmset.
Rückbank, Nacht, Neonlicht.
Vielleicht führt die Fahrt unter freiem Himmel durch den imaginierten
Nachbau von Las Vegas, jener Stadt, die ohnehin schon wie der Nachbau all
jener Sehnsüchte aussieht, die im Leben doch nur an der Wirklichkeit abprallen
können.
Unwirklich, trügerisch, gefährlich.
Doch zwischen Traum und Wirklichkeit existiert ein Ort, uneindeutig und
weit, ein Phantasma, und dieser Ort ist hier zu Musik geworden.
Illusion, Vision, Glitzern, Kribbeln.
So fliegt in den Stücken von Ava Vegas etwas Glorreiches durch die Nacht,
etwas Leuchtendes, sichtbar in einem glitzernden, in Pailletten reflektierendem
Licht, gleichzeitig umhüllt von einer unentrinnbaren Dunkelheit.
Hart, weich, himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.
Die Musik wirkt wie das Festhalten jenes Zustands, in dem bewusst wird,
dass es die Welt nicht geben kann, die man so ersehnt.
Verliebt, verlassen, vergnügt, betrübt.
Und so kann es diese Welt eben doch geben. Sie klingt und hallt in der
Musik von Ava Vegas.


Ava Vegas ist ursprünglich nach Berlin gekommen, um an der Universität
der Künste Architektur zu studieren. Doch heute entwirft sie ihre Gebäude
lieber in ihren Songs, in denen sie einen angemesseneren Platz für ihre Ideen
findet. Geboren wurde sie in Göttingen, der Stadt mit den meisten
Nobelpreisträgern, zog dann mit der Familie nach Goslar um. Den Großteil
ihrer Kindheit und Jugend verbrachte sie jedoch auf Ibiza, wo sie in einem
kleinen Haus lebte, das ihr Vater, ein Professor der Kulturwissenschaften, dort
gebaut hatte. Die Sängerin Nico (alias Christa Päffgen), die zuletzt auf Ibiza
lebte und dort 1988 während einer Fahrradfahrt an einem Schlaganfall verstarb,
hat sie damals knapp verfehlt – der Geist der dunklen Sängerin jedoch scheint
in Avas Musik eingezogen. So ist Vegas als Künstlername passenderweise
einem Nico-Stück entlehnt und bezeichnet gleichzeitig jenen unwirklichen
Transitzustand der amerikanischen Wüstenstadt, der auch aus ihrer urbanen
Musik spricht: Geprägt von den Technoclubs Ibizas, verschlug es sie
schließlich in die Hauptstadt, wo sie während ihrer ersten Jahre von Sänger
Dagobert dazu ermutigt wurde, ihre Musik aufzunehmen. Und auch, wenn Ava
Vegas durch Gesangs-, Klavier, Ballett- und Schauspielunterricht durchaus
darauf vorbereitet war, suchte sie lange nach dem wahrhaftigen Transfer ihrer
Visionen, arbeitete mit Johannes Weber (Jungstötter, P.A. Hülsenbeck), Tim
Roth (1k Flowers, Sin Maldita), Max Gruber (Drangsal), Tom Hessler (Fotos)
und Arnar Guðjónsson (Warmland, Kaleo, Dream Wife) zusammen, bis sie die
Magie in ihren Songs zum Leben erweckt sah. Dieses Klanggewandt offenbart
sich nun in neun feinsinnigen, eingängigen Stücken: Art Pop irgendwo
zwischen Lana del Rey, dem John Cale der 1980er Jahre, der balladesquen
Leslie Feist und dem koketten Lächeln der Knef.
Kehren wir jedoch zum anfänglichen Filmset zurück, führt uns der Weg
weiter durch die luzide (Alb-)Traumstadt zu David Lynchs Meisterwerk Blue


Velvet aus dem Jahr 1986, dessen Atmosphäre sich unmittelbar in die Chanson-
artige, romantisch schunkelnde Musik übertragen hat. Da steht Ava Vegas vor
einem samtenen Vorhang. Das Publikum starrt gebannt und bewegungslos zur
Bühne, wo eine wunderschöne junge Frau mit feuchten Augen und einem
wissenden Lächeln von eben jener Welt singt, die nur in der Musik existieren
kann.

26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz • 26.-28.08.2021 • Neustrelitz •
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